22 Jun 2008
Wikipedia — Wohl und Wehe
Wikipedia ist ja allzu problematisch, weil man sich auf die Korrektheit der Inhalte nicht verlassen kann. Das ist eine der üblichen Kritiken, aber sie trifft den Kern nicht. Hier kommen meine Einschätzungen über Wikipedia:
- Wissenschaftliche Artikel: Die Aktualität und Qualität bei wissenschaftlichen und technischen Artikeln ist sehr gut. Zumeist wird eine universitäre Arbeitsgruppe oder Projektgruppe die Artikel auf neuestem Stand halten.
- Copy & Paste: Beim Zusammenstellen von Foliensätzen ist Wikipedia Gold Wert, sie spart viele Arbeitsstunden. Wichtig sind dabei drei Dinge: Erstens man muss sich in dem Bereich auskennen und man nutzt Wikipedia nur als Ersatz für eigenes tippen. Zweitens falls ein Wikipedia-Artikel unvollständig oder falsch ist, erst in der Wikipedia korrigieren, dann verwenden. Drittens, die Quelle immer nennen.
- Überblick: Die in den Artikeln eingebundenen Links sind meist von sehr hoher Qualität und erleichtern das einarbeiten in Wissensgebiete. Leider finden hier gerade auch Edit-Kriege statt, hinter denen oft Hersteller von passenden Produkten stecken dürften.
- Lange Artikel: Wikipedia ist keine Enzyklopädie mit einer Redaktion bzw. einem Qualitätsmanagement im herkömmlichen Sinne. Das einzige Leiden, was für mich aus dem Mangel an gleichbleibender Qualität entsteht sind überlange Artikel. Diese mögen fachlich Korrekt sein, manchmal sind sie sogar Lesenswert, jedoch nicht für das zügige Nachschlagen geeignet.
- Fachlich falsch: Im Normalfall werden falsche Artikel schnell entlarvt und korrigiert. Im Gegensatz zu etablierten Enzyklopädien stehen in der Wikipedia seltener Literaturlügen. Gemeint sind Aussagen von wichtigen Persönlichkeiten zum Beispiel Historikern, die vermutlich inkorrekt sind oder nicht mehr dem aktuellen Stand der Forschung entsprechen, jedoch aus falsch verstandener Ehrfurcht nicht korrigiert bzw. als Alternative angeboten werden. Hier ist Wikipedia eine bessere Informationsquelle als gedruckte Enzyklopädien.
- Write or die: Bei einer Online-Community regieren nicht die Autoren mit der besten Reputation, sondern die mit der meisten Zeit. Es kann einem leicht passieren, dass Grammatik- oder Rechtschreibungs-Vandalen über einen Artikel herfallen und ihn dabei inhaltlich entstellen. Von anderen Reinigungs-Vandalen werden Teile eines korrekten Artikels gelöscht, weil der Reinigungs-Vandale diesen Teil inhaltlich nicht versteht. Das Rückgängigmachen der Änderung wird manchmal Wochenlang verhindert, ohne dass sich der Gegenüber die Mühe macht die entsprechende Fachliteratur zu lesen. Auch sind so manche Autoren nach einer fachlichen Auseinandersetzung, die durch write or die gewonnen wurde uas der Community verschwunden.
- Sichtung durch den Gärtner: Wikipedia hat eine Sichtung eingeführt, eine Freigabe von Artikeln durch eine Gruppe von Prüfern. Zugelassen werden aktuell Personen mit mindestens 200 Edits, also zum Beispiel ein typischer Rechtschreibungs-Vandale. Da braucht sich Community nicht zu wundern, dass der Wikipedia die fleißigsten Autoren weglaufen.
Ich rate allen noch aktiven Autoren, setzt Euch mit diesen Jecken auseinander und konfrontiert sie mit dem was sie da kaputt machen. Der ein oder andere wird es verstehen, aber leider nicht alle.

Sichtung: Ich teile deine Einschätzung zum Thema Sichtung. Gerne würde ich mich gegen die Sichtungswut einsetzen, aber ich weiß nicht wie…
Moritz Schubotz
Oktober 3rd, 2008 at 20:21permalink