10 Feb 2012

Sind IT Service Managment Zertifikate nutzlos?

von Werner

Eine erstaunliche Frage, über die in letzter Zeit immer wieder diskutiert wird. Auch gerne in der Variante sich für die besondere Schädlichkeit auszusprechen, die “Fast Track”, “Kompakt” oder mit Hilfe von Blended-Learning beschleunigte Varianten zum ITIL®-Expert mit sich bringen. Neben dem ITIL-Expert sind auch COBIT® oder Projektmanagament-Zertifikate gerne mal in der Kritik. Dabei meine ich Diskussionen, die über “Was nützt denn ein Berater mit Zertifikat?” philosophieren. Ich finde die Antwort ist ganz einfach.

  • Muss ein Service Verantwortlicher, der schon seit 20 Jahren IT Services in der selben Firma erbringt, unbedingt ein ITIL-Expert-Zertifikat erwerben? Sicherlich nicht, aber ein Foundation-Kurs könnte sich als nützliche Orientierung erweisen.
  • Überlässt ein IT Service Provider einen wichtigen IT Service einem “Fast-Track-ITIL-Expert” ohne Berufserfahrung? Sicherlich auch nicht.
  • Wer wird für ein Change-Procedure-Redesign eher als Berater engagiert: Ein Berater mit 30 Jahren IT Service Management Erfahrung ohne Zertifikat oder ein ITIL-Expert mit 5 Jahren Berufserfahrung? Hier wird es schwierig.

Das Zertifikat sagt aus, dass der Besitzer zum Prüfungszeitraum die Prüfung leidlich gut absolviert hat. Mehr nicht. Hier verhält es sich nicht anders als mit anderen Prüfungen. Bei ITIL, COBIT, PRINCE2, PMI, etc. immerhin objektiviert. Über die Art und Weise, sowie Prüfungsinhalte insbesondere dämliche Fragen lässt sich trefflich streiten. Immerhin schaffen sie es die Kandidaten zum lernen des Buchinhalts zu bewegen und dessen Inhalte leidlich abzuprüfen. Mehr nicht.

Beim Nachdenken über eine derartige Ausbildung kommen einem sicher auch frisch ausgebildete Kollegen in den Sinn, die spätestens bei kniffligen Fragen sich auf die ITIL Bücher zurückziehen, auf “good practice” pfeifen und vorlesen was da steht. Nun kommt hoffentlich ein erfahrener Kollege dazu und mischt die Theorie mit Praxis auf, wobei Erfahrung entsteht. Meiner Einschätzung nach übrigens auf beiden Seiten!

In einem Projekt zur Prozess-Beratung ist mir mal ein Service Manager untergekommen, der mehr als 20 Jahre Berufserfahrung hatte, eine ITIL Foundation und sehr auf ITIL schimpfte. In dem Projekt selber arbeitete er mit einer Vorlage aus einem seiner alten Projekte für einen großen Konzern,  das Ding passte sehr viel schlechter als das (viel gröbere) ITIL Original. Prozess-Entwicklung oder -Anpassung hatte er auch in Petto.

Kommen wir noch zum Thema “Fast Track”. Verkürzte und Kosten-optimierte Ausbildungsgänge sind aus der Sicht des effizienten Zertifikat-erwerbs sicherlich eine gute Alternative. Klar ist auch: Zum Wissenserwerb ist eine Erarbeitung über Monate und Jahre mit hohem Praxisanteil absolut der Königsweg. Dennoch kann ich jeden Arbeitgeber oder Freelancer gut verstehen, der eine solche Variante wählt. Ein wenig Berufserfahrung vorausgesetzt, kann ich an den Kompakt-Schulungen nichts Negatives finden. Ob aus dem Menschen mit ITIL Zertifikat in der Tasche ein guter Service Manager wird, steht auf einem anderen Blatt.

Es ist wie auch in anderen Bereichen, wenn mein Haus- und Hof-Mechaniker meine Bremsen repariert, frage ich Ihn nicht nach seinem Gesellen- oder Meisterbrief. Ich weiß, dass er es kann. Fahre ich in eine unbekannte Werkstatt möchte ich schon die Meisterbriefe an den Wänden hängen sehen. Daraus folgt aber nicht, dass die auch was drauf haben und ich Stammkunde werde.

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