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Kaffeekapselkultur vs. Teebeutel

Neulich las ich eine Kolumne in der darüber lamentiert wurde, wie schwer es doch Teetrinker in Deutschland haben. Vor allem wie gemein das ist, wo es doch Kaffeetrinker nun so gut haben: Überall gäbe es die tollsten Kaffeesorten und sogar Cafés in denen Kaffee selbst geröstet wird.

Das ist insofern erstaunlich, da passionierte kolumnen-schreibende Teetrinker seit Generationen den Teebeutel schmähen und beschimpfen. Der Tee in dem Beutel sei sozusagen der Abfall, die Teereste zur Unkenntlichkeit zermahlen und der traurige Rest zum Schluss aromatisiert, damit er überhaupt nach etwas schmeckt. Auch die Zubereitungsart – einen Beutel in heißes Wasser zu hängen – sei ein Ausweis an Unkultur.

Wenden wir diese Kritik nun mal auf einen typischen Franchise-Kaffee-Vollautomaten oder in kleineren Cafés übliches Kaffee-Pad-System an. Dazu einfach mal die Bedienung ansprechen und hinter dem Tresen auf die Packung schauen. Genauso wie bei Pads für den Privatgebrauch finden sich dort typischerweise pro Tasse 6 g Kaffee gemahlen, löslicher Kaffee und Aromen auf der Zutatenliste. Werden tatsächlich Bohnen gemahlen, einfach mal an der Tüte riechen und eine Handvoll Bohnen auf ein Tablett schütten.

Diese Franchise-Kaffeekultur scheint mir eher das Analogon zu dem Wellness-Tropical-Fruit-Tee der aus Apfelschalen plus Aromen besteht, als zu einem Kaffeegenuss. Im Kaffee vs. Tee-Duell hat Kaffee maximal zum Tee(beutel) aufgeschlossen, von überholen kann keine Rede sein.

Auch die Zubereitung in einem Vollautomaten (VA) hat nicht viel mit traditionellem Kaffee- oder Espressomaschinen zu tun. Aber zugegeben, beides ist für den durchschnittlichen Mitteleuropäer gut trinkbar, denn die meisten Lebensmittelchemiker verstehen ihren Job.

Übrigens halte ich den Kaffee in deutschen Cafés für absolut brauchbar. In den letzten Jahren hat sich meiner Meinung nach im Durchschnitt einiges verbessert, aber leider nur im Durchschnitt. Es ist sogar so, dass manche Cafés ihren ganz hervorragend aufgebrühten Kaffee zugunsten eines Vollautomaten aufgegeben haben, demnach von Schulnote 1 auf 3 gefallen sind.

Ein letztes Wort noch zu den Kaffee-Manufaktur-Cafés: Ich kann davor nur warnen. Nicht selten steht hinter der unausgelasteten 4-gruppigen italienischen Espressomaschine ein Quereinsteiger, der sein teures Rohmaterial bis zur Unkenntlichkeit verröstet. Dann doch lieber VA-Kaffee vom Industriedesigner oder eben 3 bis 5 Jahre warten bis der selbsternannte Kaffeeröster sein Handwerk erlernt hat.

Um Auswärts einen besonders guten Kaffee trinken zu gehen, muss man das Lokal gut kennen, so einfach ist das. Ich schätze das ist mit besonders gutem Tee genauso.