ITIL Lite von Malcolm Fry

In den Ferien habe ich das Buch von Malcolm Fry „ITIL Lite: A Road Map to Implementing Partial or Full ITIL V3″ gelesen, hier folgt eine kleine Rezension:

Erwartet habe ich ganz platt ein Buch, dass festlegt welche der 30 Prozesse und 4 Funktionen aus ITIL v3 auch für kleine Betriebe zwingend notwendig sind und welche nicht. Also etwa die Frage beantwortet was kommt nach Incident, Problem und Change Management plus Service Desk. Das Buch beantwortet diese Frage nicht, sondern zeigt eine Herangehensweise wie diese Frage von der Organisation selbst beantwortet werden kann. Seine Herangehensweise ist:

  • Erläuterung eines einfachen Modells zur Planung und Entwicklung von Prozessmodelle, bestehend aus Transmission, Activity, Work Instructions, Control and quality sowie Linkage. Diese Modelle können mit einfachsten Mitteln ohne Tools verwaltet werden.
  • Ein Vorschlag zur Kategorisierung von ITIL v3 Prozessen und Funktionen in Action, Influence, Resource und Underpinning.
  • Die Vorgehensweise zur Auswahl der für die Situation des Unternehmens passenden Prozesse und Funktionen.
  • Einen Satz von vordefinierten Auswahlen und hier findet sich auch das „Bare necessities template“ Incident, Problem, Change, Service Desk und Config.
  • Als Abschluss noch einen Satz von Vorlagen zur Vorbereitung und Verwaltung des Projekts bis zur Erstellung eines Master Plans.

Resümee:

Gut der Preis von Fachbüchern ist eben immer hoch, das wäre zu bemängeln oder einfach in Kauf zu nehmen.

In einigen Rezensionen wird erwähnt, das Buch eigne sich für einen Einstieg in ITIL. Das scheint mir unmöglich. Ich habe die Vermutung, Leser ohne ITIL Erfahrung werden nur etwas über eine abstrakte Vorgehensweise zur Einführung von ITIL lernen.

Leser die ITIL kennen, werden viele schöne Übersichten finden auch die Kategorisierungen liefern einige neue Erkenntnisse.

Der echte Mehrwert ist die strukturierte Vorgehensweise, in der ITIL-Komponenten bewertet und ausgewählt werden. Herr Fry beschreibt auch wie das im Team funktionieren kann. Ob man sich sklavisch an diese Vorgehensweise halten muss, steht auf einem anderen Blatt. Immerhin hilft das Buch dann dabei nichts zu vergessen.

Die von Herrn Fry Beispielhaft zusammengestellten Auswahlen von Prozessen und Funktionen sind mir ein wenig zu konstruiert. Aus den Unternehmen, die ich bisher gesehen habe, ließen sich einige typische Modelle extrahieren. Der Kern des Ganzen ist jedoch wie man zu seinem individuellen Ansatz kommt, der dann nach und nach eine volle ITIL v3 Implementierung bedeuten kann. Da wohl nur sehr, sehr wenige Unternehmen die Anforderung haben, alles was ITIL v3 so bietet umzusetzen hier noch eine letzte Kritik, der Titel des Buches ist falsch, der sollte gestrichen werden und der Untertitel stattdessen hergenommen werden „A Road Map to Implementing Partial or Full ITIL V3“.

Ich vergebe fünf von fünf Sternen.

4 Gedanken zu „ITIL Lite von Malcolm Fry“

  1. Pingback: Werner Roth
  2. es gibt nicht so viel Artikel bzw. Bücher, wo ITIL verständlich erklärt wird und zwar nicht mit allgemeinen Wörten sondern mit einigen Beispielen. Ich musste in meinem Studium ein Vortrag über ITIL (Incident und Problem Managment) halten und habe wirklich viel Zeit verbracht um Info zu sammeln. Das Ergebnis kann man hie ansehen:
    http://acadopus.de/blog/sysadmin/7.html

    ich denke der Artikel kann viele Sachen klären, wozu ITIL uberhaupt ins Leben gerufen wurde.

  3. Hallo Alexey,

    ja, es stimmt schon. ITIL behandelt ja das Managen einer IT Organisation. Das ist schon ganz schön weit entfernt von zentralen Themen der Informatik. Allein schon der Betrieb und die Wartung einer Applikation wird kaum mal behandelt.

    Allerdings gibt es einige Whitepaper, die als Zielgruppe einem IT Leiter das Thema ITIL nahe bringen möchten. Meist von Tool-Herstellern. Die Werbung darin muss man einfach ignorieren 🙂

    Was hältst Du von:
    http://www.manageengine.de/images/stories/products/ServiceDeskPlus/itil_handbuch_fuer_helden.pdf

    Viele Grüße
    Werner

  4. ja, wirklich nicht schlecht. Ich sehe da sogar einige Beispiele, was sehr seltener Fall ist. Danke für den Link

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