Zeitmanagement: Dinge nur einmal anfassen

Ich bin gerade dabei ein Vademecum – das ist nichts weiter als ein kleines nützliches Büchlein aber ein schönes Wort – zum Thema Zeitmanagement mit Kanban zusammenzuschreiben. Bis zur Vervollständigung ist es noch etwas hin, also habe ich beschlossen nützliche Kapitel schon mal vorab zu veröffentlichen.

Viele Zeitmanagement-Methoden fordern alle Aktivitäten, egal ob beruflich oder privat aufzuschreiben und in das System als Kärtchen, Eintrag, o.ä. einzutragen. Das ist im Prinzip richtig, aber führt immer wieder zu Frustration. Wenn man dies zu penibel anwendet und täglich sieht, was man den Monat alles noch machen muss und zu was man alles noch nicht gekommen ist. Dabei ist das Aufschreiben sämtlicher Elemente in eine Liste oder ein Board eigentlich nur notwendig, wenn man im Team arbeitet, damit Arbeit nicht doppelt gemacht, vergessen oder zum falschen Zeitpunkt gemacht wird. Alleine im Selbstmanagement kann man zum Beispiel gut mit mehreren Medien Kanban-Bord, elektronischer To-do-Liste und Papier-Einkaufszettel klarkommen. Wichtig ist nur das Richtige aufzuschreiben und einer Steuerung zu unterziehen. Was das ist, dem versuche ich hier nachzuspüren.

Kollegen ohne Zeitmanagement ertappt man hin und wieder, dass sie durch dutzende oder hunderte E-Mails scrollen. Die eine oder andere Mail dabei wieder auf ungelesen setzen und am Ende ermüdet erstmal einen Kaffee holen. Falls ihr jemals mit einem Zeitmanagement angefangen habt und nach kurzer Zeit wieder aufgegeben habt, erinnert Ihr Euch vielleicht an einen Moment an dem Ihr die To-do-Liste aufgeräumt, zusammengefasst oder mit angesammelten Aufgaben ergänzt habt. So etwas ist sehr anstrengend, die Gedanken springen von Aufgabe zu Aufgabe und klingen etwa so „Ach ja, das war das! Oh Mann, muss ich auch noch tun :-(“.

Das zu vermeiden hat zwei Vorteile, erstens wird Unzufriedenheit reduziert und zweitens ist obiges sinnlose Zeitverschwendung, auch wenn es nur 10 Minuten am Tag sind. Das Ziel ist sich zu erledigende Aktivitäten möglichst selten anzusehen, am besten nur in dem Moment, an dem die Aktivität auch bearbeitet wird.

Eingang, Ablagen und Ausgangskanäle

Das Zusammenstellen von To-do-Listen zu bestimmten Zeitpunkten geschieht oft, weil es keine priorisierten Kanäle bzw. Ablagen dafür gibt. Hinzu muss nur eine einfache Störung des Systems – wie ein langer Meeting-Tag – kommen und schon ist man am Tätigkeiten übertragen.

Bitte reduziert Ein- und Ausgangskanäle sowie Ablagen für Aufgaben. Dazu gehört ein rationeller Umgang mit Kommunikationsmitteln. Geht mit gutem Beispiel voran, bittet Kollegen effektiver zu kommunizieren, vermeidet das Rumspielen mit irgendwelchen Gadgets nur weil, die zu Anfang cool ausgesehen haben, benutzt wenige Tools und Ablagen.

Was meine ich damit: Eine Kollegin ruft Euch morgens auf dem Weg ins Büro an und bittet um die Erledigung einer Aufgabe die Euch etwas Zeit kosten wird. Bittet diese Kollegin Euch eine kurze Mail zu senden.

Oder Kollegen der Nachbarorganisation nutzen andere Systeme und schieben Dir eine Aufgabe mit aus deren Tool zu, Du bist aber kein Projektmitglied. Erkläre das Du gerne bereit bist via E-Mail (o.ä.) zu kommunizieren.

Ich wäre auch sehr zurückhaltend sich selber ein Management-Tool zu beschaffen. Beim Einstieg in das Zeitmanagement muss man so viel ändern und lernen, dass elektrische Helferlein oft kein guter Einstieg sind. Eine Papier-To-do-Liste (oder ein Kanban-Bord) auf DIN-A4-Pappe mit Aufgaben auf Klebezetteln lässt sich in einem Umschlag prima transportieren und funktioniert überall. Viel besser als Tools, die nur auf einer Plattform funktionieren, hakelig sind oder einer großen Tafel im Büro, die dazu führt, dass auf Reisen Aufgaben in einem anderen Medium gesammelt werden.

Auf jeden Fall nutzt wenige Stellen, bei denen Ihr Aufgaben kontrollieren müsst oder gar Aufgaben übertragen müsst. Es muss auch nicht eine einzige Ablage sein in der alle Eure Aufgaben stehen. Euer Projekt hat ein Kanban-Board, Ihr habt eine eigene To-do-Liste und die Familie hat auch ein Whiteboard? Das passt doch prima zusammen. Die Aufgaben zwischen den genannten Listen sollten sich im Regelfall nicht vermischen, das Projekt bekommt z.B. 75% Eurer Arbeitszeit, die eigene Liste 25% und die Familienzeit sollte ohnehin ein fester Bestandteil Eurer Work-Life-Balance sein. Ich würde weder Familienaufgaben noch Projektaufgaben in die eigene persönliche To-do-Liste aufnehmen, das ist nur doppeltgemoppelt und nervt.

Zettel KanbanZettel Kanban

Dinge nur einmal anfassen

Nicht alle Aufgaben müssen in eine Liste oder ein Board. Hier bin ich etwas vorsichtig, denn das ist Teil eines jeden Selbstmanagements. Das müsst ihr für euch selber herausfinden z.B. wenn ihr merkt, das einigen zentralen Aufgaben doch nicht nachgegangen wird wie „jede Woche Sport“ dann nehmt sie doch in die Liste auf. Hier einige Beispiele von Tätigkeiten, die ich nicht in meinem Zeitmanagement System verwalte, weil sie sich selbst in einem anderen Medium verwalten.

Nächste Woche findet eine Vertragsverhandlung statt, der Vertrag steht so weit, davor gibt es noch eine kurze interne Abstimmungs-Telefonkonferenz. Dazu kann einfach ein Termin eingestellt werden mit Link zum Vertragsdokument plus der Kundentermin, fertig. Das muss auf keine To-do-Liste. Zeitmanagement heißt Aufgaben der Wichtigkeit nach bearbeiten und den Überblick behalten. Selbst wenn 5 solcher Aufgaben als Termin im Kalender gebucht sind, es geht nicht um eine maximales Ausfüllen der Zeit.

Auch sind manchmal ganz große Dinge, die nicht unbedingt gelistet werden müssen. Du gehst die nächsten 6 Wochen zu einem VHS-Kurs oder so etwas. Das muss vielleicht als Blocker in den Kalender damit keiner in die Zeit einen Termin legt mehr nicht. Die Wahrscheinlichkeit das aus den Augen zu verlieren ist hoffentlich klein.

Auch kann eine Aufgabe manchmal im Kontext gemerkt werden. Du musst noch einen Brief wegbringen, lege ihn einfach auf den Haustürschlüssel.

Und noch ein Beispiel für Ablagen: Wenn drei verschiedene Tätigkeiten einer Aktion gemacht werden müssen, eines steht in einer E-Mail, eines als PowerPoint eines als WhatsApp. Bevor Du da dreimal daran vorbeigehst, fasse alles in eine Datei zusammen. Leite die Mail an Dich selbst weiter, hänge das PowerPoint als Anhang daran und kopiere den Text aus dem WhatsApp. Beziehungsweise E-Mails lassen sich auch bearbeiten, mehr dazu an anderer Stelle.

Die 2-Minuten-Regel

Aus Getting Things Done kommt die Regel: Dauert eine Tätigkeit weniger als 2 Minuten, sollte sie umgehend erledigt werden. Es lohnt sich nicht, schnell zu erledigende Aktionen umzusortieren, zu priorisieren und zu managen. Einfach machen. Nicht überlegen, ob 10 mal 2 Minuten niedriger priorisiert werden sollten als eine Aufgabe von 8 Minuten. Einfach machen.

Das ist eine gute Stelle um zu erwähnen, dass Euer Zeitmanagement einen Einfluss auf Eure Kommunikationspartner hat. Die Kolleginnen und Kollegen lernen sehr schnell, dass wenn sie Eurem Zeitmanagement System zuarbeiten, sie automatisch schneller und besser bedient werden.

Versetzt Euch mal in die Lage eines Projektleiters Max, der folgende Mail bekommt:

Hallo Max,
was hältst Du davon?
Gruß Moritz
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Der enthaltene Mail-Thread enthält einiges an Diskussion um Softwareprodukte die dem Projektleiter bisher unbekannt ist.
Im Anhang Produktkataloge und Preislisten.

Der Projektleiter Max greift nach kurzem überfliegen der Mail hoffentlich zum Telefon und ruft Moritz an. Dieser erklärt Max das ein Teilprojekt eine Software kaufen möchte, Produkt A sich am besten eignet und etwa 500 EUR kostet. Nun nimmt sich Max hoffentlich noch einige Minuten Zeit Moritz zu erklären, wie die Mail besser formuliert werden könnte.

Hallo Max,
Teilprojekt Gamma benötigt eine Software. Produkt A eignet sich und kostet 500 EUR
einverstanden oder möchtest Du mit uns gemeinsam noch Produkt B und Produkt C evaluieren?
Ich schicke Dir gerne Kataloge und Preise.
Gruß Moritz

Diese Mail ist in 2 Minuten zu beantworten, konkret und unmissverständlich. Die erste Mail ist eigentlich eine Frechheit, aber leider nicht ganz unüblich.

Listen Re-Priorisieren

In Kanban und Scrum ist das Priorisieren durch eine Liste (eine Sequenz) eigentlich sehr schön gelöst. Andere To-do-Listen oder Action-Tracker arbeiten mit „Niedrig, Mittel, Hoch“ oder ähnlichen Prioritäten. Zum einen sind solcher Art Prioritäten schwer zu vergeben. Denn hat man eine Liste von 10 Tätigkeiten mit „Niedrig, Mittel, Hoch“ klassifiziert und nun kommt eine elfte Tätigkeit wird es aufwändig. Tätigkeit 11 ist ja wichtiger als Tätigkeit 5 die „Mittel“ aber nicht so schwerwiegend wie Tätigkeit 8 die ja als „Hoch“ eingestuft wurde. Da kommt man ins Grübeln.

Re-Priorisieren von bestehenden Listen ist üblicherweise ein Zeitfresser und Frustbringer. „Niedrig, Mittel, Hoch“ ist in meinen Augen immer problematisch. Eisenhower-Prinzip beziehungsweise eine Klassifizierung nach Auswirkung und Dringlichkeit mag okay sein. Am besten ist die Liste nach Wertigkeit zu sortieren, der Vergleich der Wichtigkeit zweier Aufgaben fällt uns oft leichter und muss seltener nach einer Zeit revidiert werden.

Was ich jedoch empfehle ist, von Zeit zu Zeit eine Überprüfung des gesamten Zeitmanagements zu machen. Etwa einmal im Monat bietet sich an. Habe ich (Routine-)Aufgaben vergessen zu erledigen, weil ich sie nicht aufgeschrieben habe? Welche Aktivitäten in meinem Zeitmanagementsystem nerven mich? Was kann optimiert werden? Nicht zu vergessen, welche Aufgaben von geringer Auswirkung und geringer Dringlichkeit streiche ich diesen Monat.

Ich hoffe einige Gedanken zu Eurem Selbstmanagement beigetragen zu haben. Es bleibt immer ein individueller Weg, macht was draus.

30 Minuten mit Heiko und mir, zu Quereinstieg, Burn-Out und interessanten Lebensläufen

Heiko Link ist ein Karriereberater, den ich auf 0525.1fallsreich in Paderborn kennengelernt habe. Unser Gesprächseinstieg war Quereinstieg, daraus ist eine gute halbe Stunde Podcast zu Quereinstieg, Bewerber(inne)n mit Brüchen im Lebenslauf und gegenseitiger Offenheit im Biergarten geworden.

Ich hoffe es gefällt Euch:

https://www.endlich-montag.net/blog/podcast/30-minuten-mit-werner-roth-von-fujitsu/

Im Internet ist viel Freizeit ist eine Macht

So heute möchte ich mich ein wenig ausweinen – ach nein – lieber etwas Trost spenden. Ich befasse mich gerade mit ein wenig Sicherheitstechnologie. Also spiele ich die ersten Tage damit rum, lese mich in das Thema ein und hatte nun die ersten Fragen. Da fand sich ein Forum das zu dieser neuen Technik diskutierte. Wunderbar, nichts wie eine Frage dort platziert.

Nun kam es ausschließlich zu Antworten von absolut ahnungslosen Mitmenschen. Die intelligentesten Antworten waren in der Kategorie „Wozu willst Du das tun?“. Der mit Abstand dümmste Diskussionsfaden startete mit einem Teilnehmer, der noch nicht einmal wusste, wie eine der Grundtechniken in moderner Security (Asymmetrisches Kryptosystem) funktioniert und sich über Private- und Public-Key wunderte. Daraufhin kam eine Replik eines weiteren ahnungslosen Menschlein, die an Dummheit kaum zu überbieten ist: Er meinte, das ein Public-Key bestimmt die NSA eingebaut hätte und das man somit auf diese Technik verzichten sollte. Das ist so struzdumm, da fehlen mir alle Worte.

Da das Forum für mich neu war, habe ich nun kurz gestöbert und gefunden, das maximal 5% der Beiträge sinnstiftend sind. Der Rest war in der Liga von Unboxing-Videos oder dem Hinweis, wenn das Gerät mal Ärger macht es wieder auf Werkseinstellungen zu setzen.

An dieser Stelle bekommt man den Eindruck, dass 5% der in diesem Forum beteiligten Menschen überhaupt ein Großhirn haben. Das ist jedoch ein Trugschluss! Bei näherer Betrachtung des Profils des obigen Kommentators fällt etwas auf: Dieser Forumsteilnehmer ist seit 12 Tagen aktiv und hat in dieser Zeit 658 Kommentare abgegeben. Das sind fast 55 Kommentare pro Kalendertag. Dieser arme Mensch hat nichts anderes zu tun, als seine Dummheit den lieben langen Tag über seine Tastatur zu ergießen. Für eine sinnstiftende Arbeit fehlt dem auf jeden Fall die Zeit.

Eine Eigenschaft die dieser Kommentator mit ähnlichen Geistes-Zombies teilt. Dumme Kommentatoren produzieren meist mehr als 10 Kommentare pro Tag und das nur in diesem Forum.

Also können wir festhalten, dass es sehr viel mehr als 5% gebildete Security-Teilnehmer gibt, jedoch die Dummen alles vollfluten und somit das Forum zerstört haben.

Nun habe ich mich geärgert, denn tolle Technik-Foren haben mir schon oft gut geholfen und es wäre so schön, wenn dieses Forum funktionieren würde… Hätte, hätte, Fahradkette… Das Ärgern hilft nicht, es ist eben so, dort haben die Dummen gesiegt. Damit ist alles gesagt.

Leider erlebt man das immer wieder. Besonders traurig ist es, wenn gut funktionierende Gruppen durch solche Hirnlosen zerstört werden. Viel Zeit zu haben ist eine Macht im Internet.

Ein Freund von mir hat als Fachmann vor geraumer Zeit gegen einen Troll gekämpft, weil dieser immer wieder einen Wikipedia-Artikel sachlich falsch umbaute. Er hat viel Zeit in der Diskussion mit dem Troll und mit den Wikipedia Admins investiert, ohne jeden Erfolg. Der Troll siegte weil er mehr Zeit hatte. Ein Jahr später war der Troll verschwunden und der Artikel ist heute korrekt. Lasst Euch nicht auf Diskussionen mit diesen Typen ein, die sitzen weil sie ihre Zeit verschwenden am längeren Hebel.

Wenn man kurz darüber nachdenkt, wer eigentlich so viel Zeit hat, dann sind es eher Typen, die man im echten Leben ignorieren würde. Irgendwie auch tröstlich. Wichtig ist sich nicht durch die schiere Masse an Text-geronnener Dummheit blenden zu lassen. Egal ob es wie hier Dummheit, Ablehnung, Kritik oder Hass ist. Die Mehrzahl an Text ist nicht die Mehrheit.

Als Geleit möchte ich noch eines mitgeben: Neben dem ganzen Müll ist das Internet ein Ort in dem man schöne, schlaue Ecken findet. Man muss sie suchen, pflegen und klammheimlich weitergeben.

Lean Management für Consultants

Bei Fujitsu wird in vielen Bereichen für die Service Erbringung eine Lean Managment Methodik Namens Sense&Respond® eingesetzt, um Verbesserungen im IT Betrieb zu erzielen. Diese hat mich vor einiger Zeit interessiert, dann fasziniert und vor ca. 2,5 Jahren kam die Idee auf dies auch in meinem Bereich das heißt für Presales Consultants einzusetzen.

Wir sind ein Team von Presales Beratern für End User Services, das heißt vielfach sind wir in unterschiedlichsten Projekten unterwegs, um Kunden zu beraten, Geschäftswert von Workplace zu beleuchten, Lösungen gemeinsam zu entwickeln, Angebote zu schreiben oder Probleme zu lösen.

Lean Managment dort anzuwenden stieß auf zwei typische Antworten. Erstens „Lean ist doch alt und out, warum machst Du nicht Agil?“ oder zweitens „Lean ist doch was für die Produktion, nicht für Beratung“.

Falls Ihr auch dieser Meinung seit kann ich Euch vielleicht mit folgenden Stichworten zum weiter lesen (und nachmachen) animieren:

  • In dem zentralen Bereich „Blueprints“ sind wir doppelt so Produktiv geworden
  • Wir haben unsere Weiterbildung zu 100% im Griff, was bei den aktuellen schnellen Entwicklungen im Workplace Bereich ein echter Vorteil ist
  • Bei Überstunden und Reisezeiten (ca. 30% der Zeit) sind wir weit besser als der Marktdurchschnitt und
  • Wir kennen tatsächlich unseren Wert als Berater für den Kunden, das heißt, was wir tun sollen und was Müll ist

Das Problem war tatsächlich sämtliche Lean Managment Methodiken und Erfahrungsberichte drehen sich um Produkte oder Services. Meist eine  laufende Fabrikation bei dem das gesamte Team eine gemeinsame Aufgabe hat. Bei uns ist nur die Arbeitsweise „Beratung“ ähnlich, die aktuellen Produkte „Schaffung von Geschäftswerten“ äußerst unterschiedlich. Es war demnach eine ganz schöne Reise Lean Methodiken bei uns Beratern anzuwenden. Von dieser Reise möchte ich Euch gerne in diesem Artikel und folgenden berichten, aber eine wichtige Warnung zuerst.

So ein Denkprinzip wie Lean entfaltet seinen Wert, in dem Teammitglieder selbst Verbesserungspotential heben und man gemeinsam darauf reagiert, daher auch der Name der Methode Sense&Respond: Nehme Dinge wahr und reagiere geeignet darauf.

Wenn Ihr Euch unsere Methoden anschaut, nehmt sie nur als Beispiel. Es kann sein das sie für Euren Bereich gar nichts taugen (aber natürlich auch sensationell sind :-). Tools und Methoden sind ein Baukasten der angepasst werden muss. Methoden dürfen keine sinnfreie extra Arbeit bedeuten, sondern sie müssen einen Wert haben.

Lean Management ist eine Reise mit Irrungen und Erkenntnissen, ich kann es nicht mit einem Schalter einschalten oder an ein Qualitätsteam delegieren. Ihr seid also gewarnt.

Mein Team ist in ganz Deutschland verteilt, das funktionierte in der Vergangenheit tatsächlich schon ziemlich gut, die räumliche Verteilung ist jedoch für die Einführung von Lean Sense&Respond nicht gerade förderlich. Wir haben für die ersten Schritte wie Definition der Mission sehr lange gebraucht auch die ersten Problem Solving Sessons zogen sich ewig. Für mehr Geschwindigkeit sorgen tatsächlich kleine Teilgruppen, die eine Maßnahme größtenteils vorbereiten und gemeinsam abstimmen. Die vorbereitenden Schritte muten zwar wie Pflichterfüllung an, schaffen aber ein gesichertes gemeinsames Verständnis.

Der für mich spürbarste Durchbruch war das Quality-Function-Deployment (QFD). Wir haben unsere internen wie externen Kunden befragt was sie sich von uns wirklich wünschen und warum. Also was wünscht ihr euch von einem Presales Team, nicht etwa was wünscht ihr euch von den Services, die wir helfen zu verkaufen. Viele der gefundenen Punkte kannten wir schon, aber das QFD hat diese in die richtige Priorität gesetzt, auch sind dort Punkte herausgekommen, die zu unserer Weiterentwicklung dienen. Zum Beispiel wünschen Kunden sich verursachungsgerechte Kosten am liebsten 1:1 abgebildet auf deren Kostenstellenstrukturen. Der Nachteil ist jedoch, das so ein Vorgehen die vorgegebenen Preisblätter verändert. Aber diese Anregung ist absolut vailde, denn nur so können wirklich effektiv Kosten vermieden werden. Aus dem QFD haben wir einen Satz Orientierungsregeln und Beratungs-Know-How geschaffen, die uns Vorgehensweisen gut abschätzen lassen und auch einige No-Gos beinhalten.

Unser wöchentliches virtuelles Teammeeting haben wir umgebaut, dies wird nun reihum moderiert und Erfolge, wie Bedenken (Concerns) strukturiert. Aus Concerns die das Team oder die Organisation angehen werden Nachfolgeaktivitäten abgeleitet. Dies kann ganz Lean üblich zum Beispiel eine Problem Solving Session sein. Das Wichtigste, was dabei entstanden ist, ist eine gegenseitige Verantwortung.

Als wir mit Sense&Respond angefangen haben bin ich in Concerns, die mir zugewiesen wurden untergegangen. Zum einen weil wir das erste Presales Team bei Fujitsu überhaupt sind, d.h. unsere Nachbarn in der Organisation kannten das nicht, zum anderen aber auch, weil wir das Mandat, was Lean einem jeden von uns gibt, nicht ganz verstanden haben beziehungsweise die Verantwortung dafür noch nicht verinnerlicht haben.

Ich muss zugeben, dass ich mir auf der ganzen Reise zu unserem eigenen Qualitätssteigerung-Baukasten immer wieder unsicher war. Viele Methoden und Vorgehensweisen, die wir erfunden haben, stellten sich in der Version 1.0 nach einigen Monaten als unbrauchbar heraus. Sie fingen an nach Bürokratie zu riechen, nervten oder waren Informationsgräber. Wir haben in den letzten 2,5 Jahren unsere Methoden nun zum dritten Mal nachgeschärft. Soll heißen manches wurde tatsächlich nur aufpoliert, weil man über die Zeit vergessen hatte, das diese Methode doch wertvoll ist und anderes wurde komplett neu gemacht oder über Bord geschmissen. Im Allgemeinen kann man sagen, wann immer wir eine neue Methodik oder Herangehensweise schaffen: Es dauert typischerweise ein Jahr bzw. ein Redesign bis das zu jedermanns Spaß läuft.

Nach den langen Monaten Erfahrung mit Sense&Respond ist das Hauptergebnis ein eng zusammenarbeitendes Team das mit großem Engagement Missstände angeht, Qualität verbessert und Effizienz fördert. Auch, wenn das in einer Organisation und Kunden immer anstrengende Phasen hat. Mein Team war ohnehin schon ein tolles Team, nun haben wir aber ein tiefes Verständnis unserer Mehrwerte und Macken. Die Mehrwerte fördern wir, helfen uns gegenseitig bei unseren Macken, und zwar viel selbstverständlicher als zuvor.

Ich habe diesen Blog-Beitrag als Beginn einer kleinen Serie gestartet, weil ich mir sicher bin das Lean Methodiken bei uns im Team eine lange Zukunft haben werden und auch andere Berater-Teams befruchten kann. Ich werde Euch hier an dieser Stelle gerne weitere Details berichten, sprecht mich aber auch gerne jederzeit an.

Digital Natives, what the heck?

So heute möchte ich mich ein wenig aufregen, nämlich über zwei Ereignisse. Neulich las ich in einem Whitepaper, das über die neue Generation und deren IT Anforderungen schwafelte, den Begriff „Digital Immigrant“ und das „die Generation X“ das alles mit der IT gar nicht so richtig verstehe. Für diesen Personenkreis hatte das Whitepaper dann noch einige warme Worte parat.

Den Geschäftspartner, der mir stolz dieses Werk überreichte, habe ich dann angesprochen und ihm gesagt: „Dir ist schon klar, dass Du die aktuelle Generation IT Leiter beleidigst?“ Denn diese sind vielfach aus der Generation X und mit IT aufgewachsen.

Ähnlich aber ganz anders verhielt es sich, als ich von einer jungen Dame angesprochen wurde, dass es für mich doch bestimmt sehr schwer gewesen sein muss mich im fortgeschrittenen Alter mit den modernen Kommunikationsmitteln wie z.B. E-Mail [sic] anfreunden zu müssen. Für sie sei das ja ein Klacks E-Mail, Instagram, Facebook, alles: Sie sei schließlich „Digital Native“.

Als sie dann erfuhr, dass ich meine erste E-Mail-Adresse mit der Immatrikulation bekommen habe, dass es damals schon Chat, Internet und das WWW gab. Auch darüber, dass wir in der Informatik Übungsaufgaben digital abgeben mussten, war sie doch einigermaßen erstaunt. Im weiteren Gespräch stellte sich heraus, dass sie außer Apps installieren und bedienen zu können sehr wenig Wissen über IT hat.

Ich glaube Apps zu bedienen ist ein Wissen, dass selbst der Rückständigste Digital Immigrant – wenn er nur will – in wenigen Tagen aufholen kann, denn Apps sind ja gerade auf intuitive Bedienung getrimmt.

Sicherlich gibt es in der Generation X „Digital late Entrants“ oder gar „Digital Ignorer“ aber in der großen Mehrheit ist diese Generation schon sehr lange mit IT unterwegs. Genau wie es heute noch „Digital Dummies“ gibt, die außer Konsumieren keinerlei Ahnung von dem haben was sie da tun.

Ich glaube die ersten Digital Natives sind Leute wie Tim Berners-Lee oder Grace Hopper. Auch fände ich schön, wenn sich möglichst viele Leute mit den Hintergründen „Was ist das WWW?“, „Wie funktioniert ein Netzwerk?“, „Wie funktioniert eine App?“ oder „Wie funktioniert die Technik hinter Facebook?“ beschäftigen würden. Das hilft sehr sich in der modernen Welt eine solide Meinung bilden zu können. Das ist vielleicht auch ein Teil des Bildungskanons für Digital Democrats.

Anforderungen an IT Systeme für die Generation Digital Natives sind immer Anforderungen an bessere Benutzbarkeit, Durchgängigkeit oder Interaktion. Meist genau das was sich alle IT Nutzer wünschen. Hört auf uns Menschen jedweder Genration in Schubläden zu stecken! In die passen wir Menschen ohnehin nur schlecht. Dankeschön!