Werft alte Zahlen weg!

Ich war nun ein paar Mal daran beteiligt, wenn IT Organisationen reinen Tisch machen wollten und eine grundsätzliche Neuaufstellung (in Bereichen) anstrebten, sei es durch große Joint-Ventures, Akquisen oder einfach weil das Business in einer Krise steckte.

Vielfach sind mir dort IT Organisationen begegnet, die durchaus wussten das einige Dinge deutlich in Schieflage waren oder einfach alles nur historisch gewachsen sind und jedwede Struktur zu hinterfragen war.

Was mich allerdings wundert ist, dass vielfach die neue Architektur auf bestehende Reports bzw. Zahlen aufgebaut werden sollte. Damit meine ich, das sehr früh noch bei der grundsätzlichen Planung des Veränderungsprozesses vorhandene Reports als Zahlengrundlage genutzt werden sollten.

Es kommen in solchen Veränderungsprozessen nur ganz wenige Beteiligte auf den Gedanken, dass das die Nutzung bestehender KPIs ein Fehler mit möglicherweise immensen Auswirkungen ist. Es liegt auf der Hand, dass die historische Organisation, also die Organisation die in Schieflage gekommen ist, mit diesen Zahlen und Berichten gesteuert hat.

Nur sehr wenige Zahlen in Reports sind objektiv. Die bisherige Organisation dürfte einige KPIs geschaffen haben, an denen Bereiche gemessen wurden, die jetzt angeschlagen dastehen. Natürlich werden KPIs fast immer interpretiert, getuned oder aufgehübscht. Die Messzahlen in vielen Organisationen müssen von Jahr zu Jahr in die gewünschte Richtung wachsen, also tun sie das auch.

Selbst bei Zahlen die mit guter Absicht designed wurden, sind Messpunkte, Konsolidierungen und Abschätzungen zur Berechnung gesetzt worden, dieses Design und seine Kompromisse sollte man sich stets genau ansehen. Viele Dinge sind gar nicht eindeutig oder gar leicht zu messen, also wird ein Stück interpretiert, das ist ganz normal.

Ich wäre sehr vorsichtig und würde nur überprüft saubere Rohdaten heranziehen. Bestehende Reports können eventuell dazu nützlich sein, die alte Organisation zu verstehen und Fehlerursachen bzw. Fehlleitungen zu ergründen.

  • Die meisten Reports werden Aussagelos sein, die wurden irgendwann mal auf dem grünen Tisch entwickelt und seitdem jeden Monat abgeheftet. Specht mit den Verantwortlichen welche Reports die nutzen, was sie daran nutzen und was sie zur Lenkung eingesetzt haben.
  • Bei manchem unsauberen Report ergibt das Monat zu Monat Delta eine brauchbare Aussage. Steigen die Einnahmen bei virtuellen Servern oder fallen diese, auch wenn die Gesamtsumme in Euro nicht mit dem Financial Reporting übereinstimmt. Bitte mit Vorsicht nutzen, manchmal sind Lücken enthalten die einen auf einem Auge Blind machen.
  • Apropos Übereinstimmung: Versucht doch einmal die selbe Zahl (KPI, PI) über verschiedene Business-Unit-Reports zu ermitteln. Anzahl der virtuellen Server einer BU aus den Daten der BU-Reports, CMDB und dem IT Monatsbericht. In einem der letzten Unternehmen waren die so zu ermittelten Abweichungen oft bei bei 15%-20%!
  • Zahlen die durch Interpolation hochgerechnet werden sind in dieser Form irreführend und lohnen keines Blickes. Fehler finden sich zum Beispiel in der Form, dass Zahlen von Hauptstandorten genutzt werden, um auf das Gesamtunternehmen mit einigen großen und vielen kleinen Standorten hochzurechnen. Kleine Standorte funktionieren aber oftmals anders. Sie haben bestimmte Services nicht, diverse Services mit zusätzlichem Aufwand oder ganz simpel eine Shadow IT.

Kurz und gut: Wenn ihr an Bord kommt, um ein auf Grund gelaufenes Schiff wieder in die Fahrrinne zu bekommen. Schmeißt die alten Karten weg und nutzt eure neuen Seekarten. Die alten Karten lassen sich ganz eventuell hernehmen, um die Ursache der Havarie zu ermitteln.

 

80er-Jahre Elektronik spielt wieder

Ich repariere Sachen ja viel lieber, als wegschmeißen und neu-kaufen. Aber ein 80er-Jahre Senso wieder ans Laufen zu bringen, ist doch ein echtes Highlight.

Kubuntu von einem USB Stick an einem UEFI-Rechner betreiben

Vor einigen Jahren habe ich damit angefangen meine private Arbeitsumgebung auf einem bootbaren USB-Stick mit auf Dienstreisen zu nehmen. So kann ich per rsync die Umgebung und Daten vor der Abfahrt schnell aktualisieren und Abends im Hotel privaten Aufgaben in der gewohnten Umgebung nachgehen. Etwa das versenden eines Kneipenlesungs-Newsletters.

Vor UEFI war es einfach: Bei der Installation (K)ubuntu als Ziel für System und GRUB 2(!) den USB-Stick auswählen, warten, Notebook via USB-Stick booten, einrichten, fertig! Bei reinen UEFI- mit oder ohne Secure-Boot-Systemen funktioniert das nicht mehr so einfach. Ein UEFI-Boot-Stick muss her. (Wer nur ein (UEFI)-Live-System haben möchte, das sich seine Umgebung merken kann, benötigt nur eine persistente Installation.)

Da ich keine vollständige Anleitung im Netz gefunden habe, erfolgt hier ein Erfahrungsbericht mit Tipps und Links. Ich mache das diesmal nicht so ausführlich, da das Thema nur für wenige von euch interessant sein wird. Wenn euch in dieser Anleitung etwas fehlt oder ihr einen Tipp habt, hinterlasst einen Kommentar. Ich füge gerne Details und Bilder ein.

Warnung! Wenn Ihr dieser Anleitung folgt, solltet Ihr technisch versiert und experimentierfreudig sein. Wenn ihr nicht aufpasst ist ein Rechner schnell kaputt-konfiguriert. Seit sorgfältig! Ich übernehme keine Gewähr für die Richtigkeit dieses Artikels.

USB-Stick partitionieren

Ich nutze einen sehr kompakten 128 GB USB-Stick, der zum Transport im Rechner stecken bleiben kann. Den Stick sollte man zu Beginn z.B. mit Gparted in zwei Partitionen aufteilen, eine kleine VFAT– und eine große EXT2-Partition. Das einfachere EXT2-Dateisystem eignet sich für bootbare USB-Sticks besser als die Journaling-Varianten wie EXT4. Die VFAT-Partition sollte mindestens 64 MB groß sein und den boot-Flag erhalten (Partition->Markierungen bearbeiten).

Nicht wundern ich habe 2,5 GB gewählt, da ich so noch ein iso-Installationsmedium unterbringen kann. Mein Stick ist ein Multiboot-Stick, das soll hier keine Rolle spielen.

Kubuntu installieren

Das einfachste und sicherste ist Kubuntu aus einer virtuellen Maschine heraus auf den Stick zu installieren. Es geht aber auch mit einem Rechner, der von als Live-System gebootet ist. Hier bitte unbedingt auf das GRUB-Ziel aufpassen! Wenn hier die Festplatte gewählt wird, bootet der Rechner nicht mehr oder nur inkl. USB-Stick.

Kubuntu 18.04 z.B. in VirtualBox booten und „Kubuntu ausprobieren“ wählen. Den USB-Stick in die VM einbinden (Geräte->USB) und „Install Kubuntu“ starten. Bei „Einrichtung der Festplatten“ unbedingt „Manuell“ wählen.

Als Installationsziel von Kubuntu die EXT2-Partition wählen, den Boot-Loader unbedingt auf den USB-Stick legen. „Jetzt installieren“, Fertig konfigurieren und warten. Das schreiben auf dem USB-Stick wird lange dauern, seit nicht ungeduldig.

Jetzt geht es mit einiger manueller Arbeit weiter, diese findet ihr sehr gut im Ubuntuusers-Artikel „EFI Externer-Datenträger“ beschrieben. Für den initialen Boot müsst ihr wie im Artikel beschrieben manuell eine „grub.cfg“ erstellen. Den Abschnitt dazu könnt Ihr aus der /boot/grub/grub.cfg eurer EXT2-Partition kopieren.

Finale

Wenn alles soweit funktioniert hat, sollte bei dem USB-Stick-System noch die Systemzeit auf lokale Zeit umgestellt werden, sonst verstellt sich die Hardwareuhr auf hauptsächlich via Windows betriebenen Systemen.

timedatectl set-local-rtc 1

Wegen des update-grub nach Kernel-Updates habe ich dem System auch seinen Update-Manager entzogen, d.h. ich kümmer mich händisch um updates via apt-get update und apt-get dist-upgrade -y.

sudo apt-get purge update-manager-core

Die USB-Installation kann noch weiter optimiert werden z.B. bei genügend Hauptspeicher mit einer ramdisk.

Betrieb

Ein solches System ist nicht optimal, aber funktioniert ganz brauchbar. Da Eingabegeräte wie Maus- und Tastatur über die selbe USB-Schnittstelle wie Dateien gehen, kann das System bei viel File-I/O schon mal stocken. Hier ist unbedingt ein schneller USB-Stick zu bevorzugen.

Das System mit aktuellen Daten von eurem Hauptsystem zu versorgen kann via rsync erfolgen. Im Prinzip kann das User-Home-Verzeichnis gespiegelt werden und schon entsteht eine exakte Kopie der Arbeitsumgebung mit Mails, Office, etc. Es können bestimmte (Punkt-)Verzeichnisse oder (Konfigurations-)Dateien mit -exclude-from ausgeschlossen werden.

Auch bleibt zu sagen, dass die meisten USB-Sticks nicht für solch einen Betrieb ausgelegt sind. Mein letzter USB-Stick hat diese Torturen ca. 4 Jahre überlebt, danach musst ein Neuer her.

Habt ihr Fragen oder weitere Hinweise, her damit!

Hauppauge WinTV-dualHD DVB-T2 unter Kubuntu 18.04

Nun wurde auch bei uns in der Gegend auf DVB-T2 umgestellt, also musste neue DVB-T2-Hardware her. Nach etwas Recherche habe ich mich für eine Hauppauge WinTV-dualHD entschieden. Warum diese Karte? Vor allem weil LinuxTV sagt die Karte sei lauffähig. Die Dual-Tuner-Version war kaum teurer, als die singleDH-Variante und ermöglicht das aufzeichnen eines Kanals und das anschauen eines anderen Programms.

Soweit mir bekannt lassen sich unter Linux im Moment via DVB-T2-Stick nur öffentliche rechtliche Programme empfangen bzw. dekodieren. Auch wird in den Foren geschrieben, dass man etwas Rechenleistung benötigt. Mein altes „Intel® Core i5-4670 3,4 GHz HD Graphics 4600“-System wird beim schauen eines Programms zu ca. 25% ausgelastet.

Nun ans Werk. Die Karte auspacken, Antenne anschließen, aber noch nicht an den Computer anschließen. Hier erst eine Konsole starten und auf die Systemmeldungen lauschen:

tail -f /var/log/syslog

Wenn ihr nun die Karte einsteckt lässt sich den Meldungen einiges entnehmen. Ich kürze die Kernelmeldungen mal auf das Interessanteste:

usb 3-5: new high-speed USB device number 6 using xhci_hcd
usb 3-5: New USB device found, idVendor=2040, idProduct=0265
usb 3-5: New USB device strings: Mfr=3, Product=1, SerialNumber=2
usb 3-5: Product: dualHD
usb 3-5: Manufacturer: HCW
em28xx 3-5:1.0: New device HCW dualHD @ 480 Mbps (2040:0265, interface 0, class 0)
em28xx 3-5:1.0: DVB interface 0 found: isoc
em28xx 3-5:1.0: Identified as Hauppauge WinTV-dualHD DVB (card=99)
tveeprom: Hauppauge model 204109, rev B3I6, serial# 14027788
tveeprom: tuner model is SiLabs Si2157 (idx 186, type 4)
tveeprom: TV standards PAL(B/G) NTSC(M) PAL(I) SECAM(L/L') PAL(D/D1/K) ATSC/DVB Digital (eeprom 0xfc)
si2168 8-0064: Silicon Labs Si2168-B40 successfully identified
si2168 8-0064: firmware version: B 4.0.2
si2157 9-0060: Silicon Labs Si2147/2148/2157/2158 successfully attached
si2168 8-0064: Direct firmware load for dvb-demod-si2168-b40-01.fw failed with error -2

Die Karte meldet sich, das ist prima, es fehlt aber eine bestimmte Firmware. Der Kernel sagt uns sogar wie die gewünschte Datei heißt. Diese ladet ihr bitte von folgender Seite herunter und kopiert sie nach /lib/firmware. https://github.com/OpenELEC/dvb-firmware/tree/master/firmware

sudo cp /home/heinbloed/dvb-demod-si2168-b40-01.fw /lib/firmware/

Am besten den Rechner neu starten und wieder mit tail -f /var/log/syslog nachsehen. Die Firmware wird geladen sagt folgende Zeile: downloading firmware from file ‚dvb-demod-si2168-b40-01.fw‘. Fertig, die Karte läuft!

Kaffeine

Als TV-Anwendung eignet sich Kaffeine ganz gut. Dazu im Menü Fernsehen -> Fernsehen einrichten… wählen. Tab „Gerät 1“ hier unbedingt unter DVB-T2 als Quelle „de-All“ wählen, mein Bundesland NRW hat zumindest hier in der Gegend nicht funktioniert. Unter Fernsehen->Kanäle die Fernsehsender suchen lassen, übernehmen, sortieren, etc. und es kann los gehen.

Channel-Liste für VLC oder VDR

Für VLC oder den VDR (Video Disc Recorder) müsst ihr eine channel-liste zur Verfügung stellen, dies geht für gewöhnlich mit w_scan.

sudo apt-get install w-scan
w_scan -f t -c DE -A 1 -L > vlc.xspf
w_scan -f t -c DE -A 1 -X > channels.conf

Hardware

lsusb gibt aus:

Bus 003 Device 006: ID 2040:0265 Hauppauge 

Hinweis

Auf dieser Seite findet ihr einen persönlichen Erfahrungsbericht wie ich diese Hardware unter Linux ans Laufen gebracht habe. Dies ist keine offizielle Support-Seite! Ich Übernehme keinerlei Garantie für die Angaben und es gilt der rechtliche Hinweis.

Eine sehr gute Quelle für Hinweise und Fragen ist http://wiki.ubuntuusers.de/

Auf Hitze mit Geschichtsbetrachtung reagieren

Bei den hundertundeinem Tipps zur besseren Bewältigung der aktuellen Hitze fehlt mir ein naheliegender Tipp: Den Nachmittag in einem Museum zu verbringen.

Aufgrund der Exponate sind Museen wunderbar klimatisiert und mal den Kopf für etwas Geschichte oder Kunst frei zu bekommen lohnt doch eigentlich immer.