30 Minuten mit Heiko und mir, zu Quereinstieg, Burn-Out und interessanten Lebensläufen

Heiko Link ist ein Karriereberater, den ich auf 0525.1fallsreich in Paderborn kennengelernt habe. Unser Gesprächseinstieg war Quereinstieg, daraus ist eine gute halbe Stunde Podcast zu Quereinstieg, Bewerber(inne)n mit Brüchen im Lebenslauf und gegenseitiger Offenheit im Biergarten geworden.

Ich hoffe es gefällt Euch:

https://www.endlich-montag.net/blog/podcast/30-minuten-mit-werner-roth-von-fujitsu/

Im Internet ist viel Freizeit ist eine Macht

So heute möchte ich mich ein wenig ausweinen – ach nein – lieber etwas Trost spenden. Ich befasse mich gerade mit ein wenig Sicherheitstechnologie. Also spiele ich die ersten Tage damit rum, lese mich in das Thema ein und hatte nun die ersten Fragen. Da fand sich ein Forum das zu dieser neuen Technik diskutierte. Wunderbar, nichts wie eine Frage dort platziert.

Nun kam es ausschließlich zu Antworten von absolut ahnungslosen Mitmenschen. Die intelligentesten Antworten waren in der Kategorie „Wozu willst Du das tun?“. Der mit Abstand dümmste Diskussionsfaden startete mit einem Teilnehmer, der noch nicht einmal wusste, wie eine der Grundtechniken in moderner Security (Asymmetrisches Kryptosystem) funktioniert und sich über Private- und Public-Key wunderte. Daraufhin kam eine Replik eines weiteren ahnungslosen Menschlein, die an Dummheit kaum zu überbieten ist: Er meinte, das ein Public-Key bestimmt die NSA eingebaut hätte und das man somit auf diese Technik verzichten sollte. Das ist so struzdumm, da fehlen mir alle Worte.

Da das Forum für mich neu war, habe ich nun kurz gestöbert und gefunden, das maximal 5% der Beiträge sinnstiftend sind. Der Rest war in der Liga von Unboxing-Videos oder dem Hinweis, wenn das Gerät mal Ärger macht es wieder auf Werkseinstellungen zu setzen.

An dieser Stelle bekommt man den Eindruck, dass 5% der in diesem Forum beteiligten Menschen überhaupt ein Großhirn haben. Das ist jedoch ein Trugschluss! Bei näherer Betrachtung des Profils des obigen Kommentators fällt etwas auf: Dieser Forumsteilnehmer ist seit 12 Tagen aktiv und hat in dieser Zeit 658 Kommentare abgegeben. Das sind fast 55 Kommentare pro Kalendertag. Dieser arme Mensch hat nichts anderes zu tun, als seine Dummheit den lieben langen Tag über seine Tastatur zu ergießen. Für eine sinnstiftende Arbeit fehlt dem auf jeden Fall die Zeit.

Eine Eigenschaft die dieser Kommentator mit ähnlichen Geistes-Zombies teilt. Dumme Kommentatoren produzieren meist mehr als 10 Kommentare pro Tag und das nur in diesem Forum.

Also können wir festhalten, dass es sehr viel mehr als 5% gebildete Security-Teilnehmer gibt, jedoch die Dummen alles vollfluten und somit das Forum zerstört haben.

Nun habe ich mich geärgert, denn tolle Technik-Foren haben mir schon oft gut geholfen und es wäre so schön, wenn dieses Forum funktionieren würde… Hätte, hätte, Fahradkette… Das Ärgern hilft nicht, es ist eben so, dort haben die Dummen gesiegt. Damit ist alles gesagt.

Leider erlebt man das immer wieder. Besonders traurig ist es, wenn gut funktionierende Gruppen durch solche Hirnlosen zerstört werden. Viel Zeit zu haben ist eine Macht im Internet.

Ein Freund von mir hat als Fachmann vor geraumer Zeit gegen einen Troll gekämpft, weil dieser immer wieder einen Wikipedia-Artikel sachlich falsch umbaute. Er hat viel Zeit in der Diskussion mit dem Troll und mit den Wikipedia Admins investiert, ohne jeden Erfolg. Der Troll siegte weil er mehr Zeit hatte. Ein Jahr später war der Troll verschwunden und der Artikel ist heute korrekt. Lasst Euch nicht auf Diskussionen mit diesen Typen ein, die sitzen weil sie ihre Zeit verschwenden am längeren Hebel.

Wenn man kurz darüber nachdenkt, wer eigentlich so viel Zeit hat, dann sind es eher Typen, die man im echten Leben ignorieren würde. Irgendwie auch tröstlich. Wichtig ist sich nicht durch die schiere Masse an Text-geronnener Dummheit blenden zu lassen. Egal ob es wie hier Dummheit, Ablehnung, Kritik oder Hass ist. Die Mehrzahl an Text ist nicht die Mehrheit.

Als Geleit möchte ich noch eines mitgeben: Neben dem ganzen Müll ist das Internet ein Ort in dem man schöne, schlaue Ecken findet. Man muss sie suchen, pflegen und klammheimlich weitergeben.

Digital Natives, what the heck?

So heute möchte ich mich ein wenig aufregen, nämlich über zwei Ereignisse. Neulich las ich in einem Whitepaper, das über die neue Generation und deren IT Anforderungen schwafelte, den Begriff „Digital Immigrant“ und das „die Generation X“ das alles mit der IT gar nicht so richtig verstehe. Für diesen Personenkreis hatte das Whitepaper dann noch einige warme Worte parat.

Den Geschäftspartner, der mir stolz dieses Werk überreichte, habe ich dann angesprochen und ihm gesagt: „Dir ist schon klar, dass Du die aktuelle Generation IT Leiter beleidigst?“ Denn diese sind vielfach aus der Generation X und mit IT aufgewachsen.

Ähnlich aber ganz anders verhielt es sich, als ich von einer jungen Dame angesprochen wurde, dass es für mich doch bestimmt sehr schwer gewesen sein muss mich im fortgeschrittenen Alter mit den modernen Kommunikationsmitteln wie z.B. E-Mail [sic] anfreunden zu müssen. Für sie sei das ja ein Klacks E-Mail, Instagram, Facebook, alles: Sie sei schließlich „Digital Native“.

Als sie dann erfuhr, dass ich meine erste E-Mail-Adresse mit der Immatrikulation bekommen habe, dass es damals schon Chat, Internet und das WWW gab. Auch darüber, dass wir in der Informatik Übungsaufgaben digital abgeben mussten, war sie doch einigermaßen erstaunt. Im weiteren Gespräch stellte sich heraus, dass sie außer Apps installieren und bedienen zu können sehr wenig Wissen über IT hat.

Ich glaube Apps zu bedienen ist ein Wissen, dass selbst der Rückständigste Digital Immigrant – wenn er nur will – in wenigen Tagen aufholen kann, denn Apps sind ja gerade auf intuitive Bedienung getrimmt.

Sicherlich gibt es in der Generation X „Digital late Entrants“ oder gar „Digital Ignorer“ aber in der großen Mehrheit ist diese Generation schon sehr lange mit IT unterwegs. Genau wie es heute noch „Digital Dummies“ gibt, die außer Konsumieren keinerlei Ahnung von dem haben was sie da tun.

Ich glaube die ersten Digital Natives sind Leute wie Tim Berners-Lee oder Grace Hopper. Auch fände ich schön, wenn sich möglichst viele Leute mit den Hintergründen „Was ist das WWW?“, „Wie funktioniert ein Netzwerk?“, „Wie funktioniert eine App?“ oder „Wie funktioniert die Technik hinter Facebook?“ beschäftigen würden. Das hilft sehr sich in der modernen Welt eine solide Meinung bilden zu können. Das ist vielleicht auch ein Teil des Bildungskanons für Digital Democrats.

Anforderungen an IT Systeme für die Generation Digital Natives sind immer Anforderungen an bessere Benutzbarkeit, Durchgängigkeit oder Interaktion. Meist genau das was sich alle IT Nutzer wünschen. Hört auf uns Menschen jedweder Genration in Schubläden zu stecken! In die passen wir Menschen ohnehin nur schlecht. Dankeschön!

Ich scheitere am Buchkauf

Ich fühle mich diskriminiert, denn ich nutze durchaus den selbsternannten Fachhandel zum Bücherkauf. Allerdings läuft das ungefähr so ab: Anwesende Kundinnen werden so lange vorgezogen bis man dann meint einen der stöbernden Herren bedienen zu müssen. Zur Begrüßung lautet der Satz „Guten Tag, wollen Sie etwas abholen?“.

Lieber offline Buchhandel, noch konsequenter wäre es mich das Nächste mal mit „Warten Sie hier auf jemanden?“ anzusprechen.

Die Sache wendet sich tatsächlich, wenn ich eine Kneipenlesungs-Einkaufstasche dabei habe. Dann werde ich als Kunde ernst genommen, auch wenn hie und da eine leichte Unsicherheit in den Augen der Buchhändlerin zu bemerken ist.

Somit wechsele ich nun zu dem großen Online-Buchhändler mit „A“. Da werde ich ernst genommen! Das Online-Portal fragt mich höflich „Sie lesen Bücher von Max Goldt, möchten Sie nicht auch mal bei Wiglaf Droste rein schauen?“ Ja, das will ich.

Das mit dem Online-Buchhändler war natürlich nur ein Spaß, aber verdient hättet ihr das! Übrigens, die Frau gerade vor mir hat eine heruntergesetzte rosa Einhorn-Tasse gekauft, nicht gerade Hochliteratur.

Dresscode ist Business Casual

Aus meiner bescheidenen Erfahrung gibt es kaum etwas unkonkreteres als den Hinweis, dass ein bei einem geschäftlichen Treffen eine Kleidung „Business casual“ erlaubt. Das ist in den letzten Jahren so breit getreten worden, dass man hier fast alles darunter versteht.

Im produzierenden Gewerbe habe ich erleben dürfen, dass „Business casual“ kariertes Markenhemd, hochwerige Bluejeans und sportliche helle Schuhe bedeuten kann. Aber auf der anderen Seite der Spannbreite bei einer Versicherung traf ich auf hellere Anzugfarben, gemusterte Krawatten und den Verzicht auf Manschettenknöpfe als „Business casual“. Zugegeben von Bluejeans bis Anzug ist das die volle Bandbreite, nur wie findet man die Mitte.

Bedeutet Business Casual schwarze (Jeans-)Hose plus Hemd oder sollte es ein Anzug sein, ist eine Frage die kein LinkedIn- oder Xing-Style-Berater beantworten kann. Internet-Business-Style-Berater raten hier immer zu der Variante mit Anzug, ich nicht. Einen ganzen Abend over-styled herumzulaufen ist echt blöd.

Wenn man den Einladenden nicht gut kennt, würde ich immer nachfragen was Business Casual in dessen Kontext meint. Nur wenn man gar nicht fragen kann, hilft vielleicht ein lässiger Anzug und ein dezent gestreiftes Hemd, so ist man einigermaßen kompatibel gekleidet. Bei Business Casual gleich Bluejeans lässt man das Jackett in der Garderobe und bei Business Casual gleich schwarzer Anzug ohne Krawatte ist man leicht under-dressed, auch muss man eben cool bleiben.

Wenn ihr selber die Einladung schreibt und neue Gäste begrüßt schreibt doch bitte zwei Worte mehr als „Business Casual“ das hilft euren Gästen und ihr seit ein guter Gastgeber.